Jean Paul

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Jean Paul (1763-1825)[Bearbeiten]

deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge
eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter

Zitate mit Quellenangabe[Bearbeiten]

an Renate Wirth[Bearbeiten]

  • "Du liebes Bayreuth, auf einem so schön gearbeiteten, so grün angestrichenen Präsentierteller von Gegend einem dargeboten - man sollte sich einbohren in dich, um nimmer heraus zu können." - an Renate Wirth, September 1793
  • "O du geliebtes Bayreuth, in das ich wie in einen Himmel fuhr und in dem ich jede Minute verschlang, aus Furcht, sie fliege ungenossen vorüber -, besuche mich in meinen Höfer Träumen und spiegle dich in ihnen mit deinen Gegenden und Einwohnern ab wie der Himmel im klaren Bach." - von Jean Paul fingierter Brief der Renate Wirth an ihn, Briefkopierbuch Nr. 314 vom 22. April 1790. In Jörg Paulus: Philologie der Intimität. Liebeskorrespondenz im Jean-Paul-Kreis. de Gruyter 2013. S. 127 books.google

Bemerkungen über den Menschen[Bearbeiten]

  • "Der Mensch ist gut und will nicht, daß man vor einem andern als ihm selbst krieche." - Bemerkungen über den Menschen, SW Abt.2, Bd.5 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Ein Schmeichler ist's selten aus bloßem Eigennutz, sondern aus Charakter; denn er schmeichelt Niedrigen wie Hohen." - Bemerkungen über den Menschen, 5. Bändchen (Februar 1803)
  • "Eine lange Zeit lernt man darum die Menschen nicht kennen, weil man sie überall für besser hält als sich." - Bemerkungen über den Menschen, SW Abt.2, Bd.5 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Es gibt Menschen, denen jedes Lob Tadel ist, das nicht das größte ist." - Bemerkungen über den Menschen, SW Abt.2, Bd.5 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Es ist leichter, die Menschen zu lieben als zu ertragen - viele heftig zu lieben, als keinen zu hassen." - Bemerkungen über den Menschen, SW Abt.2, Bd.5 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Feststehende philosophische Worte sind gefährlich – man bringt sein ganzes Anschauungssystem darunter – und dann versteht man fremde Worte nicht, die man sonst verstände." - Bemerkungen über den Menschen, SW Abt.2, Bd.5 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "In der Liebe wird der Ernst der Jungfrau bezaubern; in der Ehe, die selber ein langer Ernst ist, möchte leichtes Scherzen und Bescherzen der Welt besser einschlagen." - Bemerkungen über den Menschen, 6. Band, August 1811

Bemerkungen über uns närrische Menschen[Bearbeiten]

  • "An ungebildeten Leuten ärgert einen Eigennutz nicht." - Bemerkungen über uns närrische Menschen, 2. Band (Februar 1793)
  • "Jede Freude füllt, jeder Schmerz leert dich, aber in jener hat noch Sehnsucht Platz, in diesem noch Zuversicht." - Bemerkungen über uns närrische Menschen, 2. Band (Februar 1793)
  • "Warum lieben wir die Tugend an andern zehnmal mehr als an uns? Warum fühlen wir so viel Wärme gegen einen Aufopfernden und halten's für Schuldigkeit bei uns? Einmal müssen wir uns irren." - Bemerkungen über uns närrische Menschen, Band 2, 1793

Dämmerungen für Deutschland[Bearbeiten]

  • "In den Dämmerungen regiert das Herz." - Dämmerungen für Deutschland
  • "Lass sich doch keine Seele vom Glauben an Gott in ihrer Lebens-Geschichte etwa dadurch abneigen, daß sie zu klein dafür sei in der Menge der Geister und Sonnen." - Dämmerungen für Deutschland

Des Quintus Fixlein Leben bis auf unsere Zeiten; in fünfzehn Zettelkästen[Bearbeiten]

  • "Gute Weiber gönnen einander alles, ausgenommen Kleider, Männer und Flachs." - Des Quintus Fixlein Leben bis auf unsere Zeiten; in funfzehn Zettelkästen, Erster Zettelkasten, Jean Paul: Werke. Band 4, München 1959–1963, S. 65-78., www.zeno.org
  • "Ich kenne nur eine Sache, die süßer ist, als ein Buch zu machen, nämlich eines zu entwerfen." - Des Quintus Fixlein Leben bis auf unsere Zeiten; in funfzehn Zettelkästen, Zweiter Zettelkasten, Jean Paul: Werke. Band 4, München 1959–1963, S. 78-87., www.zeno.org

Die unsichtbare Loge[Bearbeiten]

Feldprediger Schmelzle[Bearbeiten]

  • "Manche Dichter geraten unter dem Malen schlechter Charaktere oft so ins Nachahmen derselben hinein, wie Kinder, wenn sie träumen zu pissen, wirklich ihr Wasser lassen." - Feldprediger Schmelzle, SW Abt.1, Bd.13 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Mancher wird ein freier Diogenes, nicht wenn er in dem Fasse, sondern wenn dieses in ihm wohnt." - Feldprediger Schmelzle, SW Abt.1, Bd.13 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Unglück kann sich wie ein Skorpion in jede Ecke verkriechen." - Feldprediger Schmelzle

Hesperus[Bearbeiten]

  • "Die Kälte hat ewig ein Sprachrohr und die Empfindung ein Hörrohr. Die Ankunft einer ungeliebten fürstlichen Leiche oder dergleichen Braut hört man an den Polarzirkeln; hingegen wenn wir Niedere unsre Gräber oder unsre Arme mit Geliebten füllen: so fallen bloß einige ungehörte Tränen, trostlose oder selige." - Hesperus
  • "Die Leidenschaft macht die besten Beobachtungen und die elendesten Schlüsse. Sie ist ein Fernrohr, dessen Feld desto heller, je enger es ist." - Hesperus, Sämtliche Werke, Abt.l, Bd. 3 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978)
  • "Wenn man beim Stiche der Biene oder des Schicksals nicht stillehält, so reißet der Stachel ab und bleibt zurück." - Hesperus

Levana[Bearbeiten]

  • "ein Charakter ist ein Fels, an welchem gestrandete Schiffer landen und anstürmende scheitern." - Levana, Vorrede zur zweiten Auflage (1811), gutenberg.spiegel.de
  • "Da aber der Deutsche keine Zeit so gern erlebt als Bedenkzeit - zu seinem größten Schritt, den er tat, nämlich ins Leben, nahm er sich gar eine Bedenkewigkeit -: so gibt er dem festen langsamen Schreiben den Preis vor dem leichten her- und wegrauschenden Sprechen; ungleich dem Süden ist er weniger ein redseliges als ein schreibseliges Volk, wie seine Registraturen und Bücherschränke ansagen." - Levana, 1. Bruchstück, 2. Kap., § 13, gutenberg.spiegel.de
  • "Das körperliche Herz sei das Muster des geistigen: verletzbar, empfindlich, rege und warm, aber ein derber, frei fortschlagender Muskel hinter dem Knochengitter, und seine zarten Nerven sind schwer zu finden." - Levana, 2. Bruchstück, 3. Kap., § 37, gutenberg.spiegel.de
  • "Die weibliche Kleider-Liebe hat samt der Reinlichkeit, welche gleichsam auf der Grenzscheide zwischen Leib und Sittlichkeit wohnt, eine Wand- und Tür-Nachbarin, nämlich Herzens-Reinheit." - Levana, Kap. 38, § 98, gutenberg.spiegel.de
  • "Die Wiederholung ist die Mutter - nicht bloß des Studierens, sondern auch der Bildung." - Levana, 2. Kap., § 7, gutenberg.spiegel.de
  • "Ein verdrießlicher Gott ist ein Widerspruch oder der Teufel." - Levana, 2. Kap. § 46, gutenberg.spiegel.de
  • "Einen traurigen Mann erduld' ich, aber kein trauriges Kind." - Levana, 2. Kap., § 45, gutenberg.spiegel.de
  • "Einzelne Regeln ohne den Geist der Erziehung sind ein Wörterbuch ohne Sprachlehre. " - Levana, Vorrede zur 1. Auflage (1806), gutenberg.spiegel.de – Quelle: gutenberg.spiegel.de
  • "Hinter einem voranziehenden Gott würden alle Menschen Götter. Tilgt ihr aber das Ideal aus der Brust, so verschwindet damit Tempel, Opferaltar und alles." - Levana, § 110, gutenberg.spiegel.de
  • "Jede gute Erzählung, so wie gute Dichtung, umgibt sich von selber mit Lehren." - Levana, § 125, gutenberg.spiegel.de
  • "Jedes Ich ist Persönlichkeit, folglich geistige Individualität." - Levana, 2. Kap., § 31, gutenberg.spiegel.de
  • "Mit einer Kindheit voll Liebe aber kann man ein halbes Leben hindurch für die kalte Welt haushalten." - Levana, § 126, gutenberg.spiegel.de

Selberlebensbeschreibung[Bearbeiten]

  • "Es ist nicht gut, wenn in die Geschichte eines Mannes – und heckte er täglich die neuen Einfälle zu Schocken – das Schicksal selber ein Wortspiel wie ein Nestei gelegt hat; auf diesem Ei sitzt und brütet er sein Leben lang und will etwas herausbringen." - Jean Paul: Selberlebensbeschreibung. In: Jean Paul, Werke in 3 Bänden, Band 3, München 1975, S. 707–828, S. 707-714. Erste Vorlesung, Wonsiedel – Geburt – Großvater, www.zeno.org

Siebenkäs[Bearbeiten]

  • "Armut ist die einzige Last, die schwerer wird, je mehr Geliebte daran tragen." - Siebenkäs
  • "Dass du gewiss in Bayreuth selig sein wirst, so sehr sind dessen Häuser und Berge zu loben." - Siebenkäs, 1795/96
  • "Der Hauptfehler des Menschen bleibt, dass er so viele kleine hat." - Siebenkäs, 1. Bändchen, Kap. 4 - Quelle: Johannes John: Reclam Zitaten-Lexikon (1997,3. Aufl., Philipp Reclam, Stuttgart)
  • "Hier auf dem offenen Meere der Welt, mitten unter hundert Schiffen, kann ich Dir nicht durch das Sprachrohr der Presse das zuschreien, was ich Dir viel lieber nahe an Deinem Angesicht und an Deiner Brust zuflüstern möchte." - Siebenkäs

Vorschule der Ästhetik[Bearbeiten]

  • "Nie vergesse der Dichter über der Zukunft, die ihm eigentlich heller vorschimmert, die Forderungen der Gegenwart und also des nur an diese angeschmiedeten Lesers." - Vorschule der Ästhetik

Kleine Nachschule zur ästhetischen Vorschule[Bearbeiten]

  • "Die bloße Empfindung schafft nicht den Dichter, aber der bloße Dichter auch nicht jene. Im ersten Irrtum ist der Jüngling, im zweiten der Kritiker." - Kleine Nachschule zur ästhetischen Vorschule
  • "Der Humor, als das umgekehrt Erhabene, vernichtet nicht das Einzelne, sondern das Endliche durch den Kontrast mit der Idee." - § 32 Die vernichtende oder unendliche Idee des Humors

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • "Alle plötzlichen Dämmerungen sind nur die der Sonnenfinsternisse und also keine wachsende, sondern ebenso plötzlich verschwindende." - Politische Fastenpredigten
  • "Berlin ist mehr ein Welttheil, als eine Stadt, wo sich aus der größeren Menge leichter eine gesellige Einsamkeit erwählen ließe. Da fänden Sie Ihren ruhigsten Hafen in Deutschland." - an Emilie von Berlepsch, Berlin, den 1. August 1800. Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Jean Paul Friedrich Richter. Zweiter Band: Blätter der Liebe. München 1863. S. 129 books.google
  • "Das Alter ist nicht trübe, weil darin unsre Freuden, sondern weil unsre Hoffnungen aufhören." - Titan (Die zehn Verfolgungen des Lesers. Fünfte), Sämtliche Werke, 1.Abt., Bd. 8 - Quelle: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen (1978, Philipp Reclam)"
  • "Der Dichter gleicht der Saite: Er selber macht sich unsichtbar, wenn er sich schwingt und Wohllaut gibt." - Dr. Katzenbergers Badereise
  • "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus welchem wir nicht getrieben werden können." - Impromptü's, welche ich künftig in Stammbücher schreiben werde (Cotta'sches Taschenbuch für Damen, 1812), 29. Google Books
  • "Die Kunst ist zwar nicht das Brot, aber der Wein des Lebens." - Museum, Sämtliche Werke, 1.Abt., Bd. 16 - Quelle: Harenberg Lexikon der Sprichwörter und Zitate (2002, 3. Auflage)
  • "Eine neue Rolle des Lebens spielt der Mensch am wärmsten und am besten; über unsern Antrittspredigten schwebt der Heilige Geist brütend mit Taubenflügeln – nur später liegen die Eier kalt." - Titan (102. Zyklus), Sämtliche Werke, 1.Abt., Bd. 8
  • "Es hat mich oft verdrüßlich gemacht, daß ich jeder Vorrede, die ich schreibe, ein Buch anhängen muß" - Blumen-, Frucht- und Dornenstücke – Zweites Bändchen (Vorrede zum zweiten, dritten und vierten Bändchen), in: Jean Paul: Werke. Band 2, München 1959–1963, S. 143 zeno
  • "Mädchen und Gold sind desto weicher, je reiner sie sind." - Blumen-, Frucht- und Dornenstücke
  • "Nur sein Auge sah alle die tausend Qualen der Menschen bei ihren Untergängen - Diesen Weltschmerz kann er, so zu sagen, nur aushalten durch den Anblick der Seligkeit, die nachher vergütet.“ - Selina oder über die Unsterblichkeit. Cotta 1827. Erster Theil Seite 132 books.google

Zitate mit Bezug auf Jean Paul[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons
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Wikisource
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