Benutzer:Satyricus
Der anti Otto, oder wie ich lernte das Heilige zu fürchten
Das Buch von Rudolf Otto "Das Heilige" ist das häufigst verlegte, meistgekaufte und seltenst (zuende) gelesene Buch der Religionswissenschaft. Zu den Risiken und Nebenwirkungen der Lektüre dieses Buches fragen Sie bitte Ihren Geistlichen/Rabbi/Imam oder lesen Sie diesen Beipackzettel. Das Heilige ist ein Thema , das jeden interessiert,weil es einen von beiden Urtrieben befriedigt,den nach Sex oder den nach Religion. Um sich mit so etwas schleierhaftem wie dem Heiligen zu beschäftigen, braucht man besondere Methoden:
der fast vollständige Verzicht auf Kommata, der Ersatz von ph durch f und umgekehrt, die Vorliebe für seitenlangeWortreihungen gleicher, ähnlicher und fremdartiger Begriffe , wie beginnend S.15 Furcht,Grauen,Schrecken,.....bis S. 23 Scheue,Schauer ,Ergriffenheit, tremendum etc, den Herausgeber wahnsinnig zu machen (ach ja,den Leser übrigens auch), indem man nicht nur griechische und hebräische Originaltexte(geht ja noch),sondern auch vedische und Keilschrifttexte abdruckt, indem man reichlich Autoritäten zitiert (ist ein alter Hut!),solange man sich dabei nicht verkantet oder im Schleierbach untergeht, indem man auch etliche unbekanne Autoren zitiert,die kein Arsch kennt, oder sogar Autoren, die keinen Arsch haben, indem man sich ausführlich über Wilde, Barbaren, Primitive, Naive etc. auslässt, damit man selber besser dasteht (noch´n alter Hut) oder ein Kapitel über das "Rohe" schreibt,das aber im Hinblick auf unsere Kommilitonen weit umfangreicher hätte ausfallen müssen,
Die Königsdisziplin aber ist das Schaffen neuer Begriffe (das Numinose,das tremendum, das fascinans). Sie meinen etwas Bekanntes und gleichzeitig etwas darüber Hinausgehendes, was nicht in Worte zu fassen ist. Über dieses plus x lassen sich auf das treffendste (!) dutzende Seiten füllen. Streng nach Otto´scher Tradition wollen wir für den Umgang mit Texten, ihre Wechselwirkung untereinander und zwischen Autor und Leser den Begriff der Textose vorschlagen. Das Textose meint nicht nur das Lesen,Vergleichen, Zusammenfassen und Klauen von Texten, sondern auch das Irrationale wie der schlechthinnige Hass auf eine unverständliche Textstelle, die göttliche Freude über ein in etwa passendes Zitat, die erhebende Befreiung, einen Text fertiggestellt zu haben.
Abschließend noch folgende Tipps zum Umgang mit Rudolf Otto´s Heiligem: Wenn Sie sich in einer Krise befinden, schreiben Sie einfach ein verschwurbeltes Buch, wie Otto es tat,um sich vom Elend des ersten Weltkrieges abzulenken. Sparen Sie wirklich problematische Gedanken aus,wie es Otto tat, als er den Islam aussparte,um weder Ärger mit Osama noch Obama zu bekommen. Lesen Sie sein Buch von hinten, bis dahin ist kaum jemand gekommen und hinten wird sowieso alles nochmal erklärt.